Jedes Semester veranstaltet die Basler Religionswissenschaft einen Studientag, zu dem sowohl Studierende der Religionswissenschaft, als auch Studierende anderer Fächer und externe Gäste herzlich eingeladen sind.

Ziel des Studientags ist, sich mit einem jeweils aktuellen religionswissenschaftlich relevanten Thema im Rahmen von Vorträgen, Workshops und einer gemeinsamen Abschlussdiskussion auseinander zu setzen.

  • Was sind Nutzen und Anwendung der Kategorie Gender als analytisches Werkzeug für die Religionsforschung?
  • Wie können mit der Kategorie Gender unterschiedliche Seiten von Religion/en beleuchtet und untersucht werden?
  • Wie wird mit der Kategorie Gender umgegangen in der Analyse historischer Quellen? Welche Rolle spielt es bei Übersetzungen?
  • Was ist das reflexive Potential für die Religionswissenschaft und welche Rolle spielt die Kategorie Gender in der Produktion von Wissen über Religion/en? Wer hat Deutungshoheiten in den Religionen und in der Wissenschaft?


Gender (oder Geschlecht) polarisiert immer wieder öffentliche wie wissenschaftliche Diskurse. Im Zentrum der Debatten steht oftmals die Frage was «Gender» ist und sein kann.
Wie Religion strukturiert Gender als soziokulturelles Konstrukt Lebensbereiche und Machtverhältnisse. Beide Begriffe sind keine statischen Phänomene, sondern in laufende Veränderungsprozesse eingebunden (Korte/van den Brandt 2021).
Je nach Perspektive auf Gender sind verschiedene Methoden und Zugänge erforderlich um die historisch-kulturellen Entwicklungen zu erfassen. Die Kategorie Gender wird bei Fragen nach religiöser Praxis, Symbolik, Ritualen, Gottesbildern oder auch Recht zum Untersuchungsobjekt.

Gender (wie auch Religion) als ein Forschungsgegenstand sollte unterschieden werden von Gender als einer analytische Kategorie (Scott 1986, Gross 2005).
Die Religionswissenschaft ist sich bereits gewohnt, ihre eigene Verwendung und Konstruktion des Begriffs Religion zu reflektieren. Vergleichbar muss der Begriff Gender in der Forschung bewusst eingesetzt werden (Gross 2005), auch um die Perspektiven der Religionswissenschaft zu reflektieren So hat die Religionswissenschaft in Begriffen wie Fruchtbarkeitsgott oder Initiationsriten selbst untersuchbare Instanzen von Gender produziert. Wiederum spiegelt sich die historische Dominanz einer mehrheitlich europäischen, androzentrischen Position der Forschenden in ihrer akademischen Wissensproduktion.

Ziel des Studientags ist, sich mit einem jeweils aktuellen religionswissenschaftlich relevanten Thema im Rahmen von Vorträgen, Workshops und einer gemeinsamen Abschlussdiskussion auseinander zu setzen. Der Studientag HS22 Religion und Gender soll den Teilnehmenden einerseits Gender als analytische Kategorie für die Religionswissenschaft vermitteln, andererseits die Rolle von Gender in der Wissenschaftsgeschichte als hinterfragbar bzw. analysierbar aufzeigen. Wir erhoffen uns, an diesem Studientag verschiedene Ebenen in den Beiträgen beleuchten zu können: interdisziplinäre Ansätze, aktuelle Anwendungen in der Forschung, Reflexionen zur eigenen Wissenschaftsgeschichte und auch Neubewertungen religionsgeschichtlicher Interpretationen.

 

Scott, Joan: Gender. Eine nützliche Kategorie der historischen Analyse, Übers. Mitchel, Robin, in: Kaiser, Nancy (Hg.): Selbst Bewusst. Frauen in den USA, Leipzig 1994, 27–76.
Gross, Rita M.: Methodology—Tool or Trap? Comments from a Feminist Perspective, in: Gothóni, René (Hg.): How to do Comparative Religion? Three Ways, Many Goals, DeGruyter 2005, 149–166.
Milam, Erika Lorraine und Nye, Robert A.: "An Introduction to Scientific Masculinities", Osiris 30/1 (2015), 1–14.
Koch, Anne: Epistomology, in: Anne Koch, Katharina Wilkens (Hg.), The Bloomsbury Handbook of the Cultural and Cognitive Aesthetics of Religion (HCCAR), London 2019, 23–32.
Korte, Anne-Marie/van den Brandt, Nella: "Looking Back and Moving Forward. The 10th Anniversary of Religion and Gender", Religion and Gender 11 (2021), 1–14.


Studientag FS22: Religion, Ritual und Basler Fasnacht

Olga Cieslarová hält ihren Vortrag zum Thema Basler Fasnacht am Studientag der Religionswissenschaft Basel, Frühjahr 2022
Olga Cieslarová und Jürgen Mohn vor der Projektion des Referats von Dominik Wunderlin
Studierende sammeln sich um einen Tisch und diskutieren einen Vortrag am Studientag Religion, Ritual und Basler Fasnacht 2022

Die Fasnacht in Basel ist Teil der europäischen Karnevalstradition. In ihrer aktuellen Form ist sie weniger als 150 Jahre alt, aber ihre Wurzeln reichen bis ins Spätmittelalter und in die Frühe Neuzeit. Heute wird die Basler Fasnacht als ein rein säkulares Ereignis wahrgenommen. Rituelle und religiöse Dimensionen sind aber, mindestens unterschwellig, erkennbar.

Unser Studientag soll diesen verborgenen Seiten der Fasnacht nachspüren. In Referaten und in der Diskussion in Arbeitsgruppen mit den Referenten stehen folgende Fragen im Vordergrund:

Inwiefern hat der Protestantismus die heutige Form der Fasnacht geprägt?
Inwiefern bietet die Beteiligung an der Fasnacht eine Form religiöser Praxis oder spiritueller Erfahrung?

Gibt es an der Fasnacht kognitive Dissonanzen, zum Beispiel die Behauptung, Fasnacht sei weltlich, aber voller stillschweigender religiöser Verhaltensweisen und Erfahrungen?

Wie sind religiöse Figuren und religiöse Institutionen an der Fasnacht vertreten, wie werden sie kritisiert?

Was sind die historischen Wechselwirkungen zwischen Fasnacht und der Kirche?

Wie werden Ideen aus der Religionswissenschaft im öffentlichen Diskurs herangezogen, um die Religiosität der Fasnacht zu beschreiben, zum Beispiel Vorstellungen von „Liminalität“ und einer „auf den Kopf gestellten Welt“?

mit Vorträgen von MgA. Olga Cieslarová, Ph.D., Dominik Wunderlin, lic. phil. I, Anne Beutter, Edith Habraken

 

 

 

 

Wir bedanken uns beim Schweizer Nationalfond, der den Forschungsaufenthalt von Olga Cieslarová in Basel 2022 ermöglicht hat. 

 


Studientag durch die Jahre

Der Studientag findet jedes Semester statt und widmet sich jeweils einem Thema mit einer Handvoll von Referaten durch eingeladene Sprecher:innen und kleinen Workshop-Diskussionsrunden.

In der Vergangenheit gab es Studientagen zu folgenden Themen (Auswahl):

Religion erzählen – erzählte Religion

Tod und Jenseits

Atheismus

Religion und Musik

Okkultismus und Moderne

Religion und Verbrechen

Religion und Drogen

Religion und Berge

Religion in Literatur und Comic

Frauen und Religion

Religiöse Kunst und Artefakte

Religion und Krieg

Religion und Wissenschaft

Die Religion des Marktes

Bilder von Religion

Religion, Ritual und Basler Fasnacht

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